20.7.97
BERLIN GERETTET - HANNOVER IN GEFAHR!
- Punker drohen mit "Gewalt-Rausch" -
Nach den nur mäßigen Krawallen bei der diesjährigen Berlin Mai-Demonstration und den ins Wasser gefallenen Chaos-Tagen von Berlin hat sich bei den gewalttätigen Punks Enttäuschung, aber auch Wut und radikaler Zerstörungswillen breitgemacht. Angeblich solle das Jahr "keinesfalls ohne einen geilen Gewalt-Rausch" vergehen, so ein Punk zum CHC. Deshalb wolle man nun doch in diesem Jahr nach Hannover fahren und dort das ersehnte Chaos nachholen.
In Berlin war die zweifellos vorhandene Gewaltbereitschaft der unzähligen angereisten Punks ja im Ansturm der friedliebenden Techno-Jünger untergegangen. Die Punks hatten einfach keine Chance, sich in größeren Gruppen zu treffen, zumal auch die Polizei überall dort beherzt zugriff, wo sie den bunten Mob erspähte.
Bei den Gesprächen des CHC-Reporterteams mit den verbleibenden Chaoten zeigte sich jedoch, daß die Frustration immer mehr in Wut umschlug und viele der Anwesenden sich für das erste Augustwochenende in Hannover verabredeten, um dort zu zeigen, daß "die Bullen die Chaostage nicht kaputtkriegen", so ein Punk. Inwiefern diese Aktionen mit den von Autonomen angedrohten "Chaos-Nächten" koordiniert sind, war jedoch nicht zu erfahren.Es ist jedoch zu befürchten, daß angesichts der Schlappe vom vergangenen Jahr auch die Chaoten dazugelernt haben und sich etwas neues einfallen lassen werden, um ihre bekannten Verbrechen nachgehen zu können.
In Hannover hat man also zu früh aufgeatmet, als man von der Verlegung der Chaostage von Hannover nach Berlin erfuhr. Wir erinnern uns: Vor drei Wochen hatte diese Nachricht in Hannover die Sektkorken knallen lassen, und auch die Karrierechancen bei Polizeiführung und Stadtverwaltung hatten sich schlagartig verbessert. Nun muß man sich in Hannover wieder mit den alten Versagensängsten und Schuldzuweisungen herumplagen und hoffen, daß sich die vergangenen Desaster nicht erneut wiederholen.
Für die Hannoveraner Bevölkerung besteht jedoch anscheinend dennoch keine Gefahr. Die Polizei wird mit einem großen Aufgebot - angeblich 1500 Beamte - präsent sein und den bunthaarigen wie autonomen Verbrechern mit aller Konsequenz einen Strich durch die Rechnung machen. Kleinere Sachschäden in Höhe von einigen 100 000 Mark werden sich dadurch vielleicht nicht verhindern lassen, wohl aber eine Punker-Terror-Orgie wie die von 1995, die der Stadt Schäden in Millionenhöhe einbrachte und das Image der Stadt wie der Landesregierung ernsthaft beschädigt, besonders im Hinblick auf die Weltausstellung EXPO 2000.
Für die Rettung Hannovers sind Stadt und Land deshalb auch bereit, großzügig Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Nach einem Bericht der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" vom 17.7.97 hat der Polizeinsatz des vergangenen Jahres 34 Millionen Mark statt der veranschlagten 10 Millionen gekostet, aber dieses Geld wird in der niedersächsischen Landeshauptstadt gerne ausgegeben, wenn es darum geht, Demokratie und Bürger vor dem Chaos zu schützen.