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CHC Dangerzone News

8.7.97

SKINHEADS DROHEN MIT TERROR!

- Schlachtplan der Chaoten aufgedeckt! -

Der Hexenkessel aus Drohungen und Gerüchten um die bevorstehende Love Parade nimmt immer groteskere Formen an. Gruppen und Grüppchen der verschiedensten Art wollen sich in Berlin ein Stelldichein geben und dabei - beabsichtigt oder ungewollt - Berlin in das chaotischste Wochenende seit Kriegsende stürzen. Während sich dabei erste "Schlachtpläne" von unter politischem Deckmantel operierenden kriminellen Gruppen herauskristallisieren, haben sich nun zu allem Überfluß auch noch gewalttätige Skinheads für das kommende Wochenende angesagt.

Wie der CHC-Redaktion heute bekannt wurde, sind bei einem Skinhead-Festival am vergangenen Wochenende in Potsdam den kahlköpfigen Konzertbesuchern in großen Mengen Flugblätter zugesteckt worden, auf denen wortwörtlich zu einem "Wochenende der Gewalt und des Verbrechens" aufgerufen wird; die Loveparade soll in eine "Hateparade" verwandelt werden.

Nach Einschätzung von Szenekennern scheinen die anonymen Verfasser allerdings nicht der rechtsextremen Spektrum zu entstammen; nichtsdestotrotz gibt die Gewalt-Sprache des Flugblatts zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß.

Wie auch schon der FOCUS in seiner neuesten Ausgabe mutmaßt, scheint sich das kommende Wochenende zu einem wahren Alptraum zu entwickeln.Ein Konglomerat verschiedenartigster Gruppen, von der Polizei teilweise kaum auseinanderzuhalten, wird die Straßen Berlins bevölkern und den jeweiligen Zielen nachgehen - manche friedlich und feiernd, andere wiederum plündernd und brandschatzend. Da gibt es sich teilweise spinnefeind gegenüberstehende Techno-Fraktionen, dann Skinheads und Punks, die teilweise optisch überhaupt nicht von Techno-Fans zu unterscheiden sind, Autonome, die wiederum nicht immer gerade gut auf Punks und Skins zu sprechen sind, dazu gemeine Krawallos, die jede Gelegenheit zu nutzen wissen, ihr Mütchen zu kühlen.

Kein Wunder also, daß den Veranstaltern der Love Parade langsam aber sich die Nerven durchgehen. Love-Parade-Sprecher Peter Lützenkirchen droht schon jetzt in einem "Junge-Welt"-Interview vom 4.7. den Punks, daß sie "eine in die Fresse kriegen" und führt so das Motto der Love Parade ad absurdum.

Diese starken Sprüche bleiben natürlich nicht ohne Folgen: Der CHC hat in den letzten Tagen eine Reihe von Mails erhalten, die unverhohlen mit Gewalt drohen. Hier ein Beispiel von Torsten Steinbeck:, der sich in seiner Blutgier kaum zu bremsen weiß: "sollten wirklich diese Idioten antreten um zu stören werden die meisten das nicht überleben - ich hoffe ich werde selber einigen ihre Scheißfresse aufschlitzen!" Andere wiederum, wollen "alle an die Wand stellen" oder hoffen, daß den Chaoten "die Köpfe blutig geschlagen " werden.

Während in der Techno-Szene also Panik, Paranoia und Gewaltbereitschaft immer weiter anzusteigen beginnen und überall Schutztrupps für Techno-Clubs und die Wagen der Love Parade zusammengestellt werden, bahnt sich Gefahr von ganz unerwarteter Seite an: Rivalisiernde Techno-Gruppierungen haben bereits angekündigt, sich während des Umzugs für diese oder jene Schmach am Gegner rächen zu wollen.

Die Schützengrabenmentalität der Techno-Szene kommt jedoch dem Mob aus Punks und Chaoten nur recht: Sie lachen sich ins Fäustchen, wie ein Gerücht das andere jagt und sich die allgemeine Aufmerksamkeit völlig auf den Ernst-Reuter-Platz konzentriert. Dabei planen sie doch offensichtlich überhaupt nicht, sich mit den feiernden Ravern anzulegen; ihnen geht es ausschließlich darum, Staat und Polizei vorzuführen und das herrschende Chaos für ihre kriminellen Zwecke zu nutzen. Um Auseinandernsetzungen mit Techno-Fans zu vermeiden, gibt es deshalb nach uns vorliegenden Information in der Berliner Szene Bestrebungen, den Treffpunkt der Hate Parade vom Ernst-Reuter-Platz wegzuverlegen. Stattdessen will man sich in kleinen Gruppen im Bereich zwischen Ernst-Reuter-Platz und Kurfürstendamm treffen, um sich schließlich auf ein Zeichen - angeblich ein Schuß mit Leuchtspurmunition - zu immer größeren Gruppen und dann zur eigentlichen Hate Parade zusammenzuschließen.

Diese Taktik der Chaoten klingt simpel, aber dennoch erschreckend erfolgversprechend. Nachfolgende ein Kartenausschnitt, der die prekäre Situation sehr gut verdeutlicht.



Gerade in Punk-Kreisen hat sich deshalb mittlerweile herumgesprochen, daß das kommende Wochenende "gefahrlose und spannende Action" bietet, so ein Braunschweiger Punk zu einem unserer Mitarbeiter. Auf allen größeren Konzerten wurden am vergangenen Wochenende Flugblätter gesichtet, und fast täglich flattern uns neue und makrabre Aufrufe auf den Tisch.

Ihre Chaos-Tage will sich die Szene nicht entgehen lassen, und da man nun auch noch zusätzlich ein großes Punk-Konzert zur Hate Parade in Berlin angekündigt hat, wird sich die Schar der Invasoren einmal mehr vergrößern


Dokumentation:

ein Beitrag der CHC-Redaktion

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