3.7.97
LOVE PARADE KAPITULIERT VOR TERROR!
- Fernsehübertragung gefährdet/Punks mobilisieren
bundesweit -
Die nicht abreissenwollende Serie von Drohungen gegen die Love Parade beginnt Wirkung zu zeigen: Das unaufhörliche Trommelfeuer von Autonomen, Punks, Nazis, Bürgern und "Gabbern" hat im Lager der Love Parade-Organisatoren ein Zurückweichen vor Gewalt und Terror bewirkt. Die Love Parade scheint am Ende, der gewalttätige Mob jubiliert.
In den letzten Tagen hatten sich die Nachrichten von immer
neuen Drohungen und Aktionen gegen die Love Parade gehäuft - da gab es Nazis,
die drohten, mit umgebauten russischen Panzerminen ein Blutbad anzurichten (TAGESSPIEGEL
v. 28.6.), Autonome, die im Gorleben-Stil die Strasse unterhöhlen wollen (B.Z.
v. 29.6.) und Punks, die ihren bekannten Reigen aus Gewalt, Plünderung und Zerstörung
nun ausgerechnet an den Sammelpunkt der Love Parade verlegen wollen.
Das Faß zum Überlaufen gebracht hat schließlich die Meldung, die Punks planten bis zum Jahr 2000 die Love Parade als Schutz für ihre blutigen Chaos-Tage zu nutzen (CHC v. 29.6. sowie B.Z. v. 3.7.).Die Folge: Die Sponsoren bekommen kalte Füße, und auch der SFB, der über vier Stunden live von der Love Parade senden will, überdenkt zur Zeit die Ausstrahlung des Spektakels, wie uns ein Mitarbeiter des Senders berichtete. Zuviel stehe auf dem Spiel, heißt es, man wollen den Chaoten kein Forum für ihre Hass-Aktionen liefern.
Diese Einschätzung ist nicht von der Hand zu weisen. "Das ist die geilste Chance überhaupt", so ein Berliner Krawallmacher zum CHC,"mit ner geilen Schicht ins Fernsehen zu kommen. Nix geschnitten, alles pur!". Was er mit "Schicht" meint, unterstreicht sein Lachen mehr als deutlich - hier soll eine friedliche Raver-Party schamlos für Chaos und Anarchie ausgenutzt werden. Sie wollen Berlin in Schutt und Asche legen - so wie Hannover 1994 und 1995. Und das vor laufenden Fernsehkameras!
Angesichts dieser Schreckensvisionen haben die Love-Parade-Macher zum Rückzug geblasen, so die Berliner Zeitungen von heute: "Love-Parade am 12. Juli zum letzten Mal?" (B.Z.), "Die letzte große Raver-Party in Berlin?" (Morgenpost). Die Love Parade soll künftig dezentralisiert und auf viele verschiedene Städte verteilt werden, wohl um die Pläne der Chaoten zumindest für künftige Techno-Paraden ein für allemal zu durchkreuzen.
Fragen sollten sich die Love-Parade-Organisatoren allerdings, ob sie mit diesem Zurückweichen vor der Gewalt den Chaoten nicht ein kräftiges Erfolgserlebnis verschafft haben. Sinnvoller wäre es, die guten Beziehungen zum Berliner Senat zu nutzen, um mit einem massiven Polizeieinsatz die Chaoten in ihre Schranken zu weisen. Denn das ist die einzige Sprache, die sie verstehen. Die Hannoveraner Chaos-Tage des vergangenen Jahres haben gezeigt: Entschlossenes Handeln schmeckt den Chaoten überhaupt nicht, und auch bei der Berliner Love Parade sollten die bunten Gestalten gezielt aus der Menge gegriffen werden.
Solange dies nicht geschieht, werden diese Kriminellen nur immer weiter ermuntert und fahren fort, bundesweit mit immer neuen Flugblättern für ihre "Hate Parade" zu mobilisieren. Dem CHC liegen jedenfalls schon wieder neue Flugblätter vor, diesmal aus Bochum und München, die "Punkerschlachten in Berlin" durch einen "Party Killing Service" prophezeihen.
Auch eines der größten Szene-Magazine, das in Homburg erscheinende
und bundesweit in 5000er-Auflage vertriebene ZAP, widmet in seiner aktuellen Ausgabe
mehrere Seiten der "Hate Parade" und veröffentlicht eine Reihe von
Flugblättern. Hier ein Ausschnitt aus dem Vorwort:
"Neben den zahlreichen Chaos-Tage-Plagiaten soll die diesjährige LOVE
PRADE anscheinend ernsthaft zur HATE PARADE umfunktioniert werden. Gerüchten
zufolge sollen sich zahlreiche Berufschaoten als Raver verkleidet unter das anwesende
Volk mischen und die Bullen soweit provozieren, daß diese schließlich die
gesamte Menschenansammlung als Gegner begreifen und den größten Riot in
der Geschichte der ehemaligen Mauerstadt vom Zaum brechen. Berlin könnte in
Schutt und Asche liegen und Hunderttausenden Love & Peace Freunden könnte
die brutale Fratze des Polizeiterrors eindrucksvoll vor Augen respektive direkt in
die Smiley-Gesichter geführt werden. Für sämtliche revolutioniären
Kräfte, vom verkleideten Brandtstifter (u.a. soll das KDW gestürmt werden)
bis hin zum Rucksackpunker gibt es einen Treffpunkt, damit sich die destruktiven
Kräfte in der unübersehbaren Menge von Menschenmaterial nicht verlieren
und schwächen."
All diese Anzeichen sprechen dafür, daß sich hier die gesamte Szene
im Stil bisheriger Chaos-Tage nach Berlin mobilisiert; wie ein Lauffeuer hat es sich
herumgesprochen, daß es nun tatsächlich einen Ersatz für die ausfallende
Hannoveraner Mega-Punk-Veranstaltung geben soll - die sich im übrigen schon
seit einigen Jahren als "Hate-Parade" bezeichnet und damit als Gegenstück
zum Berliner Techno-Spektakel begreift.
Dokumentation: