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30.4.97
Gespanntes Warten auf den 1. Mai
- Ein Feiertag im Zeichen des Neokannibalismus -
Überall in Deutschland warten die Menschen, Politiker, Polizisten und Journalisten gespannt auf die Maifeierlichenkeiten, die wieder einmal mit ganz besonderen Ereignissen verbunden sind. So steht in Berlin der 10. Jahrestag des "Revolutioniären 1. Mai" an, zu dem wieder Tausende gewaltbereiter Autonomen nach Berlin reisen werden. "Abends wird es knallen", kündigen die Krawallmacher laut SPIEGEL an, "dieses Jahr wird es in Kreuzberg wieder brennen!". Die neokannibalistische Entwicklung hat nun auch in Berlin Einzug gehalten, und so ist es kein Wunder, daß lauthals "enthemmtes Verhalten" propagiert wird.
In Leipzig dagegegen zeigt sich der Neokannibalismus von seiner anderen Seite. Hier wollen Neofaschisten zu Tausenden aufmarschieren, um endlich einmal den Kampf führen, den sie zu führen verstehen: Menschenjagd auf alles, was in ihren Augen nach "Untermensch" und nach leichter Beute aussieht. Vertreter von Zivilsationsgruppen wie auch politisch bewußte neokonannibalistische Elemente wollen diesem Treiben allerdings nicht tatenlos zusehen und mit verschiedenartigsten Widerstandsformen die Nazi-Kannibalen aus der Stadt vertreiben. Weil die Stadt aus diesem Grund mit starken Kämpfen rechnet, wurde der "polizeiliche Notstand" ausgerufen und die faschistische Aufmarsch verboten. Ab diese Maßnahmen allerdings ausreichen, um die bevorstehende Menschenjagd zu verhindern, bleibt dahingestellt.
In Hamburg dagegen sieht die Lage ganz anders aus: Hier hat die APPD zu Demonstrationen unter dem Motto "Arbeit ist Scheiße - Heraus zum Kampftag der Sozialschmarotzer" aufgerufen. Die Partei der Pogo-Anarchisten, die sich selbst auch als "Partei des Pöbels und des Abschaums" bezeichnet, will mit einer prvokanten Taktik die Mai-Demonstrationen der Leistungsfetischisten, Gewerschaftler etc. unterwandern und so dem Pöbel die entsprechende Aufmerksamkeit verschaffen. Allgemein wird dies auch als Auftakt des bestehenden Wahlkampfes der APPD angesehen.
Welche Aktion aber schlußendlich die meiste Aufmerksamkeit erringen wird, hängt letztlich von der Menge des vergossenen Blutes aber. Wir als Journalisten hoffen das Beste.